+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Farbenspiel


Die Illustrationen sind pink und rosa. Seine Gesicht geschminkt und die Kleider voller Rüschen.

"Losing Neverland" fällt in erster Linie durch diese Dinge auf. Es gibt einige die sagen, das die Zeichnerin Fahr Sindram mit diesen "schönen" Sachen nur werben und verkaufen will, das sie insgeheim mit "Losing Neverland" gar nicht vor hat gegen Shotacon-Manga (= gezeichnete Sexgeschichten mit kleinen Jungs) [...] zu kämpfen sondern selbst eine Shotacon-Geschichte geschaffen hätte.

Fahr kämpft mit "Losing Neverland" gegen eben jene Geschichten. Sie zeigt unverblümt wie schlecht es Laurie geht, weil er anschaffen muss. Zeigt wie er leidet und das er sich darüber keineswegs freut (was in besagten Shotacon-Geschichten beschönigt werden würde mit u.a. Freude über Geschlechtsverkehr).

Pink und Rosa stehen dazu nicht nur als Signalfarben da, sondern auch als etwas "weibliches".

Dort tritt der Geschichtliche Hintergrund in "Losing Neverland" hervor:

Im 19. Jahrhundert gab es in Großstädten wie New York und London Rotlichtbezirke, nur es gab offiziell keine Stricher. Doch es gab Stricher, nur waren diese meist nicht als männlich zu erkennen. Sodomie, wie damals noch der gleichgeschlechtliche Verkehr genannt wurde, war damals noch mehr verpönt wie heutzutage. So wurden die Stricher dazu angehalten sich wie Mädchen herauszuputzen wenn sie für ihren Lebensunterhalt anschaffen gingen. Meist waren die Jungen mit 14 Jahren sogar schon viel zu alt für diesen "Beruf", 8-11 war das "optimale" Alter. Grausam aber wahr, solche Jungs wie Laurie gab es tatsächlich und höchstwahrscheinlich gibt es in den Entwicklungsländern auch immer noch welche. Die Rüschenkleider und Lauries Aussehen sind also durch die Geschichte geprägt und entspringen nicht einfach lustig einer Fantasie, sondern einer traurigen Wahrheit.

Aber auch die pinke Farbe auf dem Cover ist vergessen wenn man beginnt "Losing Neverland" zu lesen. Die Seiten sind schwarz/weiß, die Stimmung gedrückt und viele Leser kamen nicht ohne Taschentücher durch den ersten Band.

"Losing Neverland" wurde an einigen Schulen als Lektüre über die Thematik des Kindesmissbrauchs genutzt, Fahr selbst hat bereits vor Schulklassen Vorträge gehalten. Dazu hat sie die Aktion "Artists against Childporn in Comic & Manga" (http://www.aacic.de.vu) ins Leben gerufen, in der sich bekannte Künstler mit einem Anti-Kinderporno-Schild ablichten lassen und zeigen können, dass sie ebenfalls nicht mit diesen Zuständen einverstanden sind.

Auch der Rat für Nachhaltigkeit ist der Meinung, dass Fahr mit "Losing Neverland" an die Kinder von Morgen denkt und hat sie deswegen mit einem Portrait geehrt.

Fahr meint den Kampf also sehr ernst, hält sich an historische Belege und zeigt vielen Menschen mit "Losing Neverland" das es noch Zeichner gibt, für die Offene Augen und Aufklärung zählen.